Buddhismus
1. Die Suche des Hirten nach dem Rind - aus der Verkennung der Wahrheit entsteht Furcht und "Lebensdurst".
2. Entdecken der Spuren des Rindes - Beginn der Einsicht auf dem Pfade der buddhistischen Lehre.
3. Erblicken des Rindes - Einsicht in die Wesensgleichheit von "Ich" und Erscheinungswelt (Subjekt und Objekt).
4. Einfangen des Rindes - Bändigen der widerspenstigen Macht der Begierden.
5. Betrachten des heller werdenden Rindes (oder Führen des Rindes am Leitseil) - langsame Erkenntnis der Wahrheit und Verbindung mit dieser.
6. Heimritt auf dem nun frei und zahm laufenden Tier, begleitet vom Flötenspiel - die freudige und sichere Ruhe der Wahrheit - der harmonische Lauf der Natur und aller Dinge.
7. Alleinsein zu Hause - das "verschwundene" Rind beunruhigt nicht mehr, da die wesensmäßige Wandlung zur Erkenntnis vollzogen ist.
8. Leerer Kreis, Rind und Mensch verschwunden - alle Gegensätzlichkeit ist in der Erkenntnis der "Leerheit" aufgelöst.
9. Rückkehr zum Ursprung, Idylle am Bach - die Beglückung, die in den einfachen Dingen liegt, deren Wesen nun klar ist.
10. Gang auf den Markt, Rückkehr zum Alltag - der Weltüberlegene, heitere und bedürfnislose "Hanfsack-Mönch" (Bu Dä Ho Schang) geht unter das Volk - letztlich erreichen alle Menschen die Buddhaschaft. Der Zen-Orden setzt an diese Stelle einen meditierenden Mönch im Wald.
Die Zen-Kunst bedient sich gerne verschiedener Gleichnisse zur Erläuterung richtiger oder falscher Methoden der Weisheitssuche. Ein positives Beispiel stellt die Folge der zehn - in Korea häufig acht - Bilder der so genannten "Rinder-Serie" dar, die oft an die Außenwände von Tempelhallen gemalt ist. Dieser Zyklus stammt von zwei berühmten Zen-Meistern der chinesischen Song-Zeit.
In der ersten Version wird ein dunkles Rind immer heller und schließlich unsichtbar, am Ende steht als Sinnbild höchster Erkenntnis ein leerer Kreis. Die zweite Fassung setzt die Einsicht der "Leerheit" nicht an den Schluss, sondern endet mit der Rückkehr zum Alltagsleben. Nach der Erfahrung der höchsten Wahrheit werden "Berge wieder zu Bergen und Gewässer wieder zu Gewässern", fesseln jedoch nicht mehr an die Welt der Begierde, sondern sind "transparent" vor dem "Hintergrund" der Leerheit. Die Stadien der Erleuchtung werden in zehn Phasen veranschaulicht.