Kalligrafie bedeutet sinngemäß „dichterische Schönschreibkunst". Dabei wird ein Gedicht, ein Sinnspruch oder Ähnliches in kunstvoller Weise mit Pinsel und Tusche geschrieben. Die Kalligrafie wird auch heute noch in chinesischer und koreanischer Schrift an öffentlichen und privaten Schulen und buddhistischen Tempeln unterrichtet und praktiziert.
Um die Kunst der Kalligrafie zu beherrschen, sind eine Kenntnis der kalligrafischen Regeln und viel Übung erforderlich. Zur Technik der Kalligrafie gehören eine bestimmte Haltung des Pinsels, Stellung von Arm und Schulter, Pinselführung sowie Form und Stärke von Punkten und Linien im Verhältnis zur Größe der Zeichen und der Gesamtfläche. Um diese Techniken beherrschen zu können, braucht man Ruhe und ein hohes Maß an Konzentration. Umgekehrt hat das regelmäßige Praktizieren von Kalligrafie auch einen positiven Einfluss auf die Psyche und tragt zur Sammlung des Geistes bei. Im Verlauf der Geschichte der Kalligrafie wurden verschiedene Schriftstile bei den chinesischen Schriftzeichen und der koreanischen Schrift entwickelt. Der Leiter des Kurses, Mönch Byong-Oh, hat bei den verschiedenen Kalligrafiekursen, die er in Berlin durchgeführt hat, bereits einige dieser verschiedenen Schriftstile praktiziert. Der erste Teil des Kalligrafiekurses ist der koreanischen Schrift, dem Hangeul, gewidmet. Die koreanische Schrift ist eine Meisterleistung aus dem 15. Jahrhundert. Da die Koreaner bis zu diesem Zeitpunkt keine eigene Schrift hatten und sich daher beim Abfassen von Texten der chinesischen Schriftzeichen bedienen mussten, beauftragte König Sejong (1418-1450) Gelehrte mit der Ausarbeitung einer koreanischen Schrift. Es entstand das Hangeul. ein sehr systematisch aufgebautes Alphabet, das aus 13 Konsonanten und 10 Vokalen besteht. Das Hangeul zeichnet sich durch besondere Formschönheit und klare Linien aus.
In dem zweiten Teil des Kurses wird die Kalligrafie mit der chinesischen Schrift eingeübt. Die chinesische Schrift besteht aus Ideogrammen (Begriffszeichen). In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten und in der Zeit der "Drei Königreiche", bevor die Koreaner ihr eigenes Alphabet entwickelten, verwendete man in Korea chinesische Schriftzeichen, um die eigene Sprache auszudrucken.